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Texte + Gedichte: Sieben Strophen (18.4.1964)

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Sieben Strophen


Der Stein auf der Straße bäumt sich nicht auf
so oft er getreten wird.
An den Bäumen hängen alte Blätter
nach Jahren noch, unvergessen.
Kinder toben immer wieder gleich
mit Rhythmus und Gebrüll.

Die Laternen spiegeln sich manieriert
in den lehmigen Pfützen der Baustellen.
Aus den Wiesen quellen gleiche Nebel
wie Farbtöne und auch Düfte.
Der Knabe trägt sich summend
mit Leere im Herzen durch Städte

Telegraphendrähte mustern die Himmel
mit Maschen und versuchen zu fangen.
Regenwolken streifen ihre Schuhe über
diesen Matten und schütteln sich aus.
In dem kleinen Tanzlokal rascheln
weite Kleider zum ersten Ball.

Motorsägen kreischen durchs Holz, das
den Winterofen heizen wird.
Sonnenuntergänge fahlen an der Kulisse
gewaltiger Häuserheere dahin: Siech.
Aus Arbeit gebiert sich ein Wiederholen,
ein Tageslauf der das Tuch über vieles wird.

Das Rattern der Schreibmaschine ist
Alltag und klingt überhörbar.
Kleine Parkanlagen retten sich selbst
durch die Fähigkeit übersehen zu werden.
Am Abend tritt der Gatte ein
und findet ein Heim, voll von Kennen.

Aus dem Gedröhn der Fabrikhalle
tauchen Laute auf, die gesprochen scheinen.
Das Blumengeschäft bietet die dunkelnde
Rose, deren Zartheit in sich weist.
Die Handlandschaft ist hügelig geworden
sie ruht auf den stummen Seiten eines Buches.

Ferne in sich tragende Fische ziehen
weit oben, silbern ins Leere.
Die Königin der Nacht blüht einmal:
das Treibhaus prunkt mit Ihr.
Verloschene Kerzen umstehen gedenkend
ein Bett, das frisch bezogen wird.

Curd Michael Hockel
18.4.1964 (Entwürfe III)

 
 
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